Mit freundlicher Unterstützung von
http://www.tuningfreaks.de.vu/ Wie man am besten einen Zylinder überarbeitet.
Die Bilder stammen von einem Malossi Sport für Piaggio AC und einem
TP Trophy - Peugeot.Unüberarbeitet :

Es gibt mehrere Möglichkeiten nen Zylinder zu überarbeiten.
Am einfachsten finde ich ist es mal die Kanalübergänge
anzuspitzen.
Ich verwend dazu immer einen Zylinderförmigen Diamantfräser fürn
Dremel.
Damit kann man recht genau fräsen, es geht recht schnell und der wird auch
nicht so schnell kaputt.

Bei verschiedenen Zylinder sind die Übergänge
erst weiter drin.
Da ist das fräsen etwas schwieriger, geht aber trotzdem noch mit den Diamantfräsern
mit der normalen Länge.
Dann könnt ihr den Zylinderfuß strömungsgünstiger
machen. Bei den meisten Zylinder sind da Kanten drin wo
das gemisch abgebremst wird. Wenn ihr die Kanten anspitzt bzw. so abflachen
damit das Gemisch
nicht aufgehalten wird oder "Umwege" machen. Dadruch wird der Flow
(=Strömungsgeschwindigkeit) höher.
Auf die obere Kante am Fuß achten:
original:

Wenn ihr das gemacht habt, dann sind meistens (vorallem
wenn mans noch nicht oft gemacht hat)
einige hacker drin. Die könnt ihr z.b. mit den blauen Silikon Aufsätzen
rausbekommen.
Leider is das Zeug ziemlich teuer und haltet auch nicht sehr lange.
Mir is es auch ausgegangen, deshalb sind die Strömer auf den Bildern auch
nicht wirklich geglättet.


Polieren solltet ihr die Kanäle nicht. Nehmt mal
ein poliertes Teil her und gebt Wasser drauf. Dann werdet ihr sehen dass sich
da Tröpfchen bilden. Das gleiche passiert auch mit dem Gemisch. Die Tröpfchen
sind erstens strömungsungünstig und zweitens verbrennen die nicht
richtig. Besser ist ihr glättet die Kanäle nur. Wenn ihr so eine Fläche
unters Wasser haltet und dann wieder wegnehmt sehr ihr dass das Wasser einen
Film auf der Fläche bildet, die sehr glatt und strömungsgünstig
ist.
Glätten ist aber ok. Aber viel bringt das nicht.
Also wenn ihr jetzt nur die Kanäle glättet und sonst nix am Zyli macht
werdet ihr wahrscheinlich gar keinen Unterschied sprüren.
Links geglättet, rechts normal...


Verwenden könnt ihr dafür einen runden Diamantfräser.
Am besten isses wenn ihr euch da gleich ein ganzes Set bei ebay holt (10 Euro).
Ähnlich macht ihr das dann auch beim BoostPort (=Stützkanäle).
Das sind die Kanäle die gegenüber vom Auslass liegen.
Auch dort müsst ihr versuchen alle Kanten rauszunehmen
wo das Gemisch abgebremst werden könnte.
Kante links und rechts vom BoostPort:

abgeflacht:
(Trophy, ein Bild vom originalen BoostPort zum Vergleich
is weiter oben)

 
Is leider nicht sehr glatt, aber da hab ich gar kein Werkzeug
zum glätten mehr gehabt.
Das hats sich ja schon beim ersten Kanal verabschiedet.
Sollte es 2 BoostPorts geben (wie auf dem bild) dann solltet ihr auch dort den
Übergang anspitzen.
Wichtig ist dass ihr auf die Beschichtung aufpasst. Wenn
die mal aufreißt, dann könnt ihr den Zylinder ohne ihn neu Beschichten
zu lassen nicht mehr verwenden.
Der Fuß und die Kanäle sind dann schon um einiges
Strömungsgünstiger:

Leistung verbessert sich leicht und die Haltbarkeit bleibt
gleich!
Als nächstes zum Auslass.
Es gibt verschiedene Auslassformen (Vorauslasskanäle, T-Port (=geteilter
Auslass), W-Port (=verzahnter Auslass),
ovaler und eher rechteckie Auslässe).
Wenn ihr den Auslass bearbeitet solltet ihr bestimmte
Werte nicht überschreiten, da sonst die Kolbenringe leicht ausfedern können.
Bei rechteckigen Auslasskanälen soll die Breite nicht mehr als 62% des
Kolbendurchmessers ausmachen und bei ovalen Auslässen nicht mehr als 70%.
Auf verbreitern des Auslasses verwend ich immer diese
orangenen Zylinderförmigen Aufsätze (werd später ein Bild machen).
Ausserdem könnt ihr die Auslasszeit erhöhen
indem ihr den Auslass nach oben hin vergrößert.
(mit nach oben hin is gemeint Richtung zylinderkopf). Das Auslass ist dann länger
geöffnet, was die Leistungsdrehzahl vom Zylinder leicht nach oben schiebt.
Dafür geht untenrum etwas weniger.
Ihr dürft allerdings auch nicht zu viel wegnehmen. (0,5-1mm reichen!)
Wenn ihr oben 1 mm wegnehmt, dann ist die Auslasszeit schon um 9° erhöht.
Sobald ihr genug weggenommen habt glättet ihr den Auslasskanal. Anschließend
ist es noch sinnvoll ihn zu polieren, dann bilden sich keine Ablagerungen.

Das waren mach die Sachen die ihr machen könnt ohne
viel zu rechnen oder zu messen.
Als nächstes gehts zum Timing. Das müsst ihr als erstes mal messen.
Ihr nehmt nen Motor her, baut den Kolben an und steckt
den Zylinder drauf. Ne Fußdichtung kommt auch drunter.
Zum messen braucht ihr eine Gradscheibe.
Da gibts z.b. eine im SA Forum: http://www.scooter-attack.com/forum/pics...scheibe-med.jpg
Die Gradscheibe verstärkt ihr wenn möglich noch mit nem Stück
Karton und befestigt das ganze dann am Lüfterrad, oder am Polrad.
Dann könnt ihr messen.
Auslasszeit: Dafür könnt ihr den Zylinderkopf
montiert lassen. am besten leuchtet ihr mit einer Lampe durch die Zündkerzenöffnungin
den Zylinder.
Ihr schaut durch den Auslass und dreht die Kurbelwelle so dass der Kolben den
Auslass oben gerade komplett verschließt (also so dass kein Licht mehr
zu sehen is wenn ihr durch den Auslass schaut).
Wenn ihr also in den Auslass schaut sollt ihr nur den Kolben sehen.
Wenn ihr das habt macht ihr am Motorblock eine kleine Markierung da wo auf der
Gradscheibe 0 Grad steht.
Dann dreht ihr die Kurbelwelle so dass sich der Kolben nach unten bewegt, am
uT (=unterer Totpunkt) vorbei kommt und wieder nach oben geht. Ihr dreht so
lange bis der Kolben den Auslasskanal gerade wieder vollständig verdeckt
(=der Ausgangspunkt von vorher).
dann schaut ihr auf die Gradscheibe und wo ihr eine Markierung am Motorblock
gemacht habt. An diesem Punkt lest ihr den Wert an der gradscheibe ab.
Am besten macht ihr das 2 mal damit ihr sicher seid dass ihr genau gemessen
habt.
Überströmer:
Das geht ähnlich wie mit dem Auslass. Am besten montiert ihr den Kopf ab.
Dann dreht ihr den Kolben soweit nach oben dass die Überströmer gerade
noch verdeckt sind.
Der Rest is gleich wie beim Auslass.
Dann habt ihr mal euer Timing.
Daten verschiedener Zylis:
MHR Team (Minarelli LC):
Auslass 195°
Überströmer 130°
Polini Corsa (Minarelli LC):
Auslass 162°
Überströmer 105°
Stage 6 Sport (Minarelli LC):
Auslass 162°
Überströmer 90°
(Angaben ohne Gewähr, soll nur Anhaltspunkte sein,
da ja nicht immer die gleichen Fußdichtungen verwendet wurden).
Midracezylinder haben in etwa 160-180° Auslass- und
100-120° Überströmzeit.
Wenn ihr jetzt einen Sportzzylinder habt (z.b. S6 Sport
mit 162° Auslass und 90° Überströmern)
Und ihr wollt den auf Racing trimmen. Dann braucht ihr in etwa ein um 15°
höheres Timing.
1mm entspricht etwa 9°.
Eine ganze Kurbellwellwenumdrehung hat 360°. Die Rollermotoren
haben etwa 39mm Hub.
360/39 = ~9° (der Kolben legt nicht 39mm bei einer KW Umdrehung zurück,
sondern das doppelte, also 78mm,
das ist aber egal, weil wenn man es anderes rechnet, also 360°/78mm = 4,5
kommt das gleicher heraus. Die 4,5° muss man noch mit 2 multiplizieren,
(Kolben geht ja rauf und runter).
Wenn man den Auslass um 1mm erhöhen würde muss man den Koben ja ges.
um 2mm weiter bewegen als vor dem bearbeiten.)
Also wenn 9°=1mm, dann sind 15°= 1,6mm.
Um ein um 15° erhöhtes Timing zu bekommen bräuchtet
ihr als eine um 1,6mm stärkere Fußdichtung.
Wenn die druntergesetzt wird hat der zylinder dann: 178° Auslass und 105°
Überströmzeit, da geht einiges...
Das "Problem" is nur dass wenn ihr den Zylinder
höher setzt, was eben eine erhöhung der Steuerzeiten zur Folge hat
auch die Quetschspalte größer wird.
Die Quetschspalte is der Abstand vom kolben zum Zylinderkopf wenn der Kolben
bei oT (=oberer Totpunkt) is.
Umso kleiner diese Spalte is, umso höher is die Leistung. Allerdings gibt
es auch hier Grenzwerte.
Bei LC Zylinder sollte die QS nicht kleiner als 0,6mm sein. Und bei AC Zylinder
nicht kleiner als 0,75mm.
Bei Zylis wie MHR Team usw. kann man noch etwas runtegehen. Der Verschleiß
wird durch kleinere QS erhöht. Außerdem muss man benzin mit höherer
Oktanzahl fahren, damit es sind nicht selbst entzündet.
Die Quetschspalte messt ihr indem ihr ein Stück Lötzinn,
dass genauso lang ist wie die Kolbenbohrung breit auf den Kolben legt und in
der Mitte mit einem Stück Klebeband befestigt.
Dann montiert ihr den Zylinder und dreht die Welle über oT. Dann könnt
ihr das Lötzinn außen mit einer Schiebelehre nachmessen. Am besten
macht ihr das auch 2 mal, dammit ihr euch nicht vermesst.
Jetzt zum vorigen Beispielzylinder. Sagen wir mal der
Zyli hat original mit einer 0,5mm Dichtung eine QS von 1mm gehabt. Jetzt haben
wir ihn um 1,6mm höher gesetzt.
Die neue Quetschspalte is also 2,6mm dick. Das is natürlich viel zu groß.
Also muss der Zylinder an der Oberseite abgedreht werden. wenn wir eine QS von
0,6mm wollen, dann müssen 2,0mm abgedreht werden.
Leider is das nicht so einfach da die Beschichtung leicht aufplatzen kann. Also
wenn ihr nicht die passenden Maschinen, Kontakte zu Wekrstätten oder das
nötige Kleingeld für eine Neubeschichtung habt, dann wird aus dem
abdrehen nix.
Es gibt auch noch eine Holzhacker Methode: Schleifpapier (nicht zu grob) auf
einem geraden Tisch ohne Beulen usw. aufspannen. Dann setzt ihr da den Zylinder
drauf
und dreht ihn. Durch das drehen wird der Zylinder gleichmässig abgetragen.
Der Beschichtung kann aber trotzdem aufplatzen und mit einer Maschine is das
Ganze viel genauer. Und geht noch dazu schneller. by:
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